Der größte Pflegedienst Deutschlands? Das sind die pflegenden Angehörigen.
Genau für sie machen wir uns stark. Das Telemedizinzentrum Hamm wurde 2015 aus der Hochschule Hamm-Lippstadt heraus gegründet und wird von der gemeinnützigen Initiative Internet und Bildung (IIB e. V.) getragen.
Unsere Haltung: Menschen unterstützen, niemals ersetzen
Digitalisierung ist für uns kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um Menschen zu verbinden und Kommunikation zu erleichtern. Gemeinsam mit der Hochschule Hamm-Lippstadt übertragen wir aktuelle Forschung in die Praxis. Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen Pflege und Demenz.
Unsere Vision: eine starke sorgende Gemeinschaft
Mit unserem bundesweit ersten Pflegekurs mit Schwerpunkt Telemedizin – zertifiziert nach AnFöVo § 11 und § 45 SGB XI – qualifizieren wir Nachbarschaftshelfer:innen und pflegende Angehörige: Aufklärung über Demenz, Leistungsansprüche und der sichere Umgang mit Video-Sprechstunden.
Ein besonderer Schwerpunkt: Hören und Demenz
Mit dem demografischen Wandel treten Schwerhörigkeit und andere Beeinträchtigungen wie Sehschwäche oder Parkinson häufig gemeinsam auf – bereits jede dritte Person über 65 ist schwerhörig (Wilson et al., 2017). Der Zusammenhang zwischen Hören und geistiger Gesundheit ist wissenschaftlich gut belegt: Unbehandelter Hörverlust erhöht das Alzheimer-Risiko deutlich – um etwa das 2,8-Fache (Zheng et al., 2017) – und kann das allgemeine Demenzrisiko fast verdoppeln (Livingston et al., 2017; Lin et al., 2013).
„Hörverlust kann das Risiko für das Auftreten einer Demenz fast verdoppeln.“
Schwerhörigkeit und kognitive Einschränkungen führen – einzeln, aber besonders in Kombination – häufig zu Pflegebedürftigkeit. Deshalb setzen wir gezielt hier an: Eine gute Versorgung mit Hörgeräten und Audiotherapie kann die Lebensqualität älterer Menschen erheblich verbessern und schwereren Krankheitsverläufen vorbeugen. Trotzdem kommen Betroffene oft viel zu spät:
„In der Regel kommen Kunden mit ihrer Hörbeeinträchtigung viel zu spät und werden im Schnitt sechs Jahre zu spät mit einem Hörgerät versorgt.“ (Irmgard Symann, Hörakustikerin)
Genau deshalb machen wir das Hören zu einem zentralen – weil beeinflussbaren – Risikofaktor in unserer Arbeit. Ganz im Sinne von Immanuel Kant:
"Nicht sehen trennt von den Dingen – nicht hören trennt von den Menschen."
(Immanuel Kant)
Warum es uns braucht
Fachkräftemangel und fehlende ärztliche Versorgung im ländlichen Raum treffen besonders ältere, vulnerable Menschen. Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leben mit Demenz, zwei von drei werden zu Hause versorgt – meist von Angehörigen (Deutsche Alzheimer Gesellschaft, 2022). Der 8. Altersbericht der Bundesregierung (2020) empfiehlt u. a., digitale Technologien als Chance für ältere Menschen und Pflegende zu begreifen und die Daseinsvorsorge digital weiterzuentwickeln.
Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2020): 8. Altersbericht
Empfehlungen des 8. Altersberichts
- Digitale Technologien als Chance für ältere Menschen mit pflegerelevanten Bedürfnissen sowie für begleitende Pflegepersonen begreifen
- Die Möglichkeit der Digitalisierung für einen Austausch zwischen den Generationen fördern
- Digitale Kompetenzen für ältere Menschen in relevanten Berufsgruppen fördern
- Daseinsvorsorge auf kommunaler Ebene digital gewährleisten und strukturell weiterentwickeln
Literatur
Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. (2022). Die Häufigkeit von Demenzerkrankungen.
Lin, F. R., Yaffe, K., Xia, J. et al. (2013). Hearing loss and cognitive decline in older adults. JAMA Internal Medicine, 173(4), 293–299.
Livingston, G., Sommerlad, A., Orgeta, V. et al. (2017). Dementia prevention, intervention, and care. The Lancet, 390(10113), 2673–2734.
WHO (2019). Risk Reduction of Cognitive Decline and Dementia. WHO Guidelines.
Wilson, B. S., Tucci, D. L., Merson, M. H., O’Donoghue, G. M. (2017). Global hearing health care: new findings and perspectives. The Lancet, 390(10111), 2503–2515.
Zheng, Y., Fan, S., Liao, W. et al. (2017). Hearing impairment and risk of Alzheimer’s disease: a meta-analysis of prospective cohort studies. Neurological Sciences, 38(2), 233–239.